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Stoffwechsel- und Gehirnerkrankungen, Fruchtzucker und DHA

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Update: 26. Sep 2018 @ 14:42

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Einleitende Zusammenfassung

Zucker hat Suchtpotential und dieser Umstand bereitet vielen Menschen gesundheitliche Probleme, jedoch der diesbezüglich wenig rücksichtsvollen Nahrungsmittelindustrie versüßt er weiterhin in unzählbaren Produkten die Umsätze. Und das ungeachtet der sie von Anbeginn begleitenden multimedialen Aufklärungs- und Gesundheitserziehung des öffentlichen Raumes hinsichtlich der viel-dimensionalen Schädlichkeit seines übermäßigen Konsums.

Das Wissen um die Zusammenhänge von Ernährung und Gesundheit weitet sich unaufhörlich aus. Der in Hinsicht auf Gesundheit und vielleicht auch auf die Mitwelt gewissenhaft lebende Mensch befinden sich so in einem ständig anhaltenden Lernprozess und optimaler Weise ist er den sich verändernden Zuständen seines Körpers nach maßvollem und bewussten Genuss aufmerksam zugewandt und kann so hin und wieder subjektiv wertvolle Entscheidungen treffen über die Bekömmlichkeit seiner Lebensmittel.

Für den so Interessierten Leser biete ich hier vielleicht eine, ob der weite des Feldes aber immer noch nur partielle Vertiefung seines Wissens, um die Zuckerarten, seine Verstoffwechselung und mehr, sowie um neuere Ergebnisse aus der nutrigenomischen Forschung an Nagern, denen man über einen längeren Zeitraum Fruchtzucker verabreicht hat.

Dass in dieser Versuchsreihe Tiere für unsere Erkenntnis herhalten mussten, ist bedauerlich, auch ich hoffe und plädiere für eine Zeit, in der dies nicht mehr nötig sein wird.

In aller Kürze den Artikel zusammenfassen heißt dann etwa: Bei Stoffwechsel- und Gehirnerkrankungen wird der Ernährung immer mehr Bedeutung zugesprochen.

Zahlreiche Erkrankungen des Stoffwechsels und des Gehirns erklären sich nun damit, dass Fruchtzucker bei hunderten von Genen im Gehirn verändernd einwirkt.

Vorsicht vor Fruchtzucker in verarbeiteten festen und flüssigen Lebensmitteln, er ist der Haupt-Verdächtige Verursacher der heutigen Pandemie an Zivilisationskrankheiten. Neben Übergewicht, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Herzkreislauferkrankungen, Lebenszeitverkürzung und und und, wirkt er auch auf das Gehirn, verstärkt neurologische und psychiatrische Symptome und zeitigt die Verschlechterung der Gedächtnisleistung.

Ein anderes Ergebnis der Versuche war, dass eine spezielle Omega-3-Fettsäure, die Docosahexaensäure, abgekürzt DHA, die eigentlich nur in fettreichen Meeresfischen in relevanten Mengen zu finden ist, und vom Menschen wahrscheinlich unzureichend aus der deshalb essentiellen α-Linolensäure synthetisiert wird, den schädlichen Auswirkungen des Fruchtzuckers substanziell entgegenwirken konnte.

Dass der Artikel hier allein dem Fruchtzucker potentiell schlimme Folgen attestiert, heißt nicht, dass der im Übermaß konsumierte normale Haushaltszucker schadlos sei; auch er besteht nach seiner Aufspaltung in Darm und Leber zur Hälfte aus Fruchtzucker.

Dem üblichen Verzehr von natürlicherweise fruchtzuckerhaltigen Früchten ist aber allgemein Entwarnung gegeben.

Die Interessen eines Deutungsfeldes

Bedenkt man die möglichen Tragweiten und die damit auch aufgeworfenen etwaigen politischen und gesundheits-behördlichen Verantwortlichkeiten, sowie die damit implizierten ökonomischen Folgen, seitens der Zucker- und Süßwaren- bzw. Getränke- und Lebensmittel-Industrie, so macht es nicht wundern, wenn solche und andere Studien von Brisanz mittels Einsatzes von wohlklingenden Experten-Ansichten in Richtung Harmlosigkeit relativiert werden – etwa nach dem Motto, es spricht erst mal nichts dagegen für ein ‚weiter so‘.

Insbesondere die Bereiche Gesundheit und industriell bedingte Umweltschäden, aber auch viele andere Themen waren und sind schon immer hart umkämpfte Felder um die Erlangung einer Deutungshoheit.

Solche Problemlagen machen es dem Bürger nicht leicht. Die leider viel zu oft gewählte Umschiffung dieser kognitiven Dissonanz mit den Worten „Da kann man ja gleich Garnischt mehr Essen“, kommt den kapitalen Interessen aber immer entgegen.

Stoffwechsel-Erkrankungen

Nahrungszusätze, wie Fruchtzucker, auch Fructose genannt, die in den letzten Jahrzehnten in industriellem Maßstab eingeführt wurden, werden heute als bedeutende, beitragende Faktoren zu metabolischen Erkrankungen im Menschen verstanden.

Stoffwechsel-Erkrankungen wie das Metabolische Syndrom, die mit veränderten Blutfettwerten, Fettleibigkeit im Bauchbereich und Insulinresistenz, die zum Diabetes Typ 2 führt, sowie mit Bluthochdruck einhergehen, sind, ihrem zunehmenden Vorkommen und ihrer hohen Sterblichkeit wegen, zu einem weltweit drängendem Problem geworden. Sie werden als der entscheidende Risikofaktor für koronare Herzkrankheiten angesehen, aber auch für das sprunghafte Ansteigen von neurologischen und psychiatrischen Störungen.

Fructose induzierte metabolische Erkrankungen haben gezeigt, dass sie das hypokampus-abhängige Gedächtnis verschlechtern und die Gehirnerkrankungen in Nagern verschlimmern.

Eine andere Art des fehlgehenden Metabolismus beim Menschen ist die Störung der Fruchtzucker-Aufnahme im Darm oder des Fruchtzucker-Stoffwechsels in der Leber, die zu Krankheitssymptomen, wie bei der Fructosemalabsorption, oder der selteneren hereditären Fructoseintoleranz führen.

Fructose und die Gene

In einer neuen nutriogenomischen Studie an Nagern, denen man kontrolliert Fructose verfütterte, wurden die Methoden des transcriptomen und epigenomen Sequenzierens am Hypothalamus, der für die metabolische Kontroll-Instanz steht, und dem Hippocampus, der für die kognitiven Prozesse steht, vorgenommen.

Darin wurde gezeigt, dass die Fructose fundamentale Aspekte der Genregulation, wie abweichende DNA-Methylierung, veränderte Gen-Expression, alternatives Auftrennen und Gen-Gen Interaktionen verursacht, die alle das Potential zur Entstehung von Krankheiten haben.

Über die Schlüssel-Regulatoren der extrazellulären Matrix, den Genen Bgn und Fmod, wurden Veränderungen in der Organisation von Gen-Netzwerken in spezifischen Gehirnregion gefunden, die mit Stoffwechsel, Immunfunktion, Entzündungen und Zell-Kommunikation in Verbindung stehen.

Die Überlappungen zwischen Fructose-Gen-Signaturen und Treffern im GWAS-Katalog, der genom-weiten Assoziationsstudie, laufen mit kausalen genetischen Risikofaktoren für metabolische, neurologische und psychiatrischen Störungen wie der Bipolaren Erkrankung zusammen und zeigen auf die Beeinflussung der Blutfette, auf systolischen und diastolischen Blutdruck und das metabolische Syndrom.

Bemerkenswerterweise wurde in dieser Studie auch nachgewiesen, dass eine Nahrungsergänzung mit DHA, der Omega-3 Fettsäure Docosahexaensäure, in der Lage war, die genomischen-, epigenomischen-, Netzwerk- und phenotypischen Störungen, die durch Fructose induziert wurden, über die gleichen Schlüsselelemente zu schwächen und dem metabolische Syndrom, dem Einfluss auf die Gehirnfunktion und dessen Plastizität positiv entgegenzuwirken.

Nutrigenomik

Bei der Nutrigenomik oder Nutrigenomforschung handelt es sich um ein junges Forschungsgebiet, bei dem die Erkenntnisse aus der Genomforschung, der Pflanzenzüchtung und Gentechnik sowie der modernen Medizin mit dem Ziel verknüpft werden Nahrungsmittel und Diäten zu entwickeln, die sich in der medizinischen Prävention und Behandlung einsetzen lassen.

GWAS-Katalog

Zahlreiche Genom-weite Assoziations-Studien, also der Vergleich von durchschnittlichem Erbgut mit Abweichungen des Erbguts, die mit bestimmten Erkrankungen assoziiert werden, wurden über eine Vielfalt von Pathologien und Bevölkerungen durchgeführt, die Ergebnisse sind in einer online Datenbank, dem GWAS-Katalog zusammengefasst.

Das Transkriptom

Das Transkriptom ist die Summe aller zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Zelle transkribierten, das heißt von der DNA in RNA umgeschriebenen Gene, also die Gesamtheit aller in einer Zelle hergestellten RNA-Moleküle, die dann zum teil zur Herstellung von Proteinen dienen.

Das Epigenom

Epigenom ist ein Begriff aus dem Wissenschaftsgebiet Epigenetik und dient dazu, die Gesamtheit von epigenetischen Zuständen zu beschreiben. Ein Epigenom besteht aus einem Satz der chemischen Veränderungen, der sogenannten Methylierungen der Desoxyribonukleinsäure DNA,  dem Träger der Erbinformation und der Histonproteine eines Organismus.

Die DNA-Methylierung stellt eine Veränderung der DNA-Struktur und damit auch ihrer Eigenschaft dar. DNA-Methylierung gilt als wichtigste epigenetische Veränderung; sie kann zum Beispiel bewirken ob ein Gen-Abschnitt in RNA übersetzt wird oder nicht.

Methylierungszustände der DNA können sogar über Generationen hin vererbt werden, sich aber auch in Abhängigkeit von Umwelteinflüssen, wie Stresserleben, Gifteinwirkung oder auf bestimmte Nahrungsmittel hin, verändern.

Die Histone

Histone sind basische Proteine, die im Zellkern von Eukaryoten, bei denen die DNA immer sicher im geschützten Zellkern verbleibt, vorkommen. Sie sind als Bestandteil des Chromatins, einem Komplex aus DNA und speziellen Proteinen, die für die Verpackung der DNA, aber auch für die Expression, bzw. die Übersetzung mancher auf ihr codierten Gene von essentieller Bedeutung sind.

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