Schwefelwasserstoff

Strukturformel
Struktur von Schwefelwasserstoff

Funktion: Schwefelwasserstoff fungiert im menschlichen Körper ähnlich wie Stickstoffmonoxid als Botenstoff (siehe auch Gasotransmitter) und wirkt gefäßerweiternd (vasodilatativ). Es wird sowohl in Endothelzellen der Blutgefäße als auch in glatten Muskelzellen aus der Aminosäure LCystein gebildet. Wird Gefäßendothel über Muskarinische Acetylcholinrezeptoren stimuliert, kommt es zur Freisetzung von H2S. Dies führt in den glatten Muskelzellen der Gefäßmuskulatur zur Aktivierung spannungsaktivierter und kalziumaktivierter Kaliumkanäle. Dadurch kommt es zu einer Hyperpolarisation der glatten Muskelzellen und letztendlich zu einer Erweiterung der Blutgefäße (Vasodilatation).[19]

Anwendung

Schwefelwasserstoff könnte möglicherweise als Mittel gegen Erektionsstörungen Anwendung finden. Es wird natürlich in den Schwellkörpern des Penis und der glatten Muskulatur der Penis-Arterie gebildet. Versuche zeigten, dass sowohl L-Cystein als auch Schwefelwasserstoff(-Salz) extern zugeführt eine konzentrationsabhängige Erektion in den Penisschwellkörpern (Corpora cavernosa penis) verursachen.[20]

In niedrigen Konzentrationen führt Schwefelwasserstoff bei Mäusen zu einer Verlangsamung von Stoffwechselvorgängen und zu einem Absinken der Körpertemperatur. Dieser winterschlafähnliche Zustand ist voll reversibel und für die Tiere unschädlich.[21] Es laufen Untersuchungen, ob man sich diesen Effekt in der Transplantationsmedizin zu Nutze machen kann, um Qualität und Überlebenszeit von Organen, die zur Transplantation vorgesehen sind, zu verbessern.[22] Darüber hinaus wird in Humanstudien untersucht, ob Schwefelwasserstoff die Überlebenswahrscheinlichkeit von Notfallpatienten verbessern kann.[23] Ziel ist es dabei, durch Inhalation bzw. Injektion von H2S den Stoffwechsel zu verlangsamen und somit den Sauerstoffbedarf zu reduzieren. Im Idealfall wäre diese Maßnahme bereits präklinisch, z. B. durch den Rettungsdienst, durchzuführen.[24]

In einer Studie von 2007 an der University of Alabama at Birmingham, die im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, ist Schwefelwasserstoff in sehr geringer Dosis vermutlich auch als wesentlicher Faktor für die gesundheitliche Wirkung von Knoblauch verantwortlich. Die Autoren berichten, dass Knoblauch das Risiko für Herzerkrankungen durch Bluthochdruck, erhöhtes Blutfett (Cholesterin) und andere Faktoren senkt. In Bevölkerungsgruppen, die viel Knoblauch verzehren, gebe es daher auch weniger Probleme mit zu hohem Blutdruck.[25]

Schwefelwasserstoff (auch Wasserstoffsulfid,
Dihydrogensulfid, nicht zu verwechseln mit dem Hydrogensulfid-Anion HS, welches oft auch „Hydrogensulfid“ genannt wird) ist eine chemische Verbindung aus Schwefel und Wasserstoff mit der Formel H2S. Schwefelwasserstoff ist ein übelriechendes, farbloses, hochgiftiges Gas. Es ist korrosiv, brennbar, leicht entzündlich und geringfügig schwerer als Luft. Es ist in Wasser wenig, in Ethanol etwas besser löslich. H2S ist eine schwache Säure, deren Salze die Sulfide und Hydrogensulfide sind.

Schon in sehr geringen Konzentrationen ist Schwefelwasserstoff durch seinen typischen Geruch nach faulen Eiern zu erkennen. Er entsteht u. a. bei der Zersetzung von schwefelhaltigen Aminosäuren in den Proteinenvon Eiklar und Dotter.

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Synonyme:
Schwefelwasserstoffs.Sulfan, Dihydrogensulfid, Wasserstoffsulfid,
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