Glossar-Begriff: Bakteriophagen

Viruspartikel von Bacillus-Phage Gamma aus der Gattung Wbetavirus (alias Wbetalikevirus)[1] im Transmissionselektronenmikroskop (TEM) nach Negativkontrastierung

„Als Bakteriophagen oder kurz Phagen (Singular Phageder; von altgriechisch βακτήριον baktérion ‚Stäbchen‘ und φαγεῖν phageín ‚fressen‘) bezeichnet man verschiedene Gruppen von Viren, die auf Bakterien (oder auf Archaeen) als Wirtszellen spezialisiert sind.[2] Der Wirtsspezifität entsprechend werden die Phagen in taxonomische Gruppen unterteilt, zum Beispiel in Coli-Staphylokokken-, Diphtherie– oder Salmonella-Bakteriophagen. Mit einer geschätzten Anzahl von 1030 Virionen im gesamten Meerwasser sind Phagen häufiger als jede Art von Lebewesen und bilden das sogenannte Virioplankton.

Zu beachten: Viren sind keine Lebewesen, denn sie besitzen keinen eigenen Stoffwechsel.

Geschichte

Die Wirkung von Phagen wurde 1917 von dem Kanadier Félix Hubert d’Hérelle erstmals beschrieben.[3] Zwar hatte der Engländer Frederick Twort bereits 1915 an Staphylokokken-Kulturen Zersetzungsprozesse beobachtet, die auf die Einwirkung von Bakteriophagen zurückzuführen sind, jedoch wurde seine Veröffentlichung praktisch nicht beachtet. D’Hérelle gilt somit neben Frederick Twort als einer der Entdecker der Bakteriophagen, den sogenannten „Bakterienfressern“. Ihren Namen und ihre Entdeckung verdanken sie jedoch d’Hérelle. Parallel zu d’Hérelle postulierte der deutsche Mikrobiologe Philalethes Kuhn aufgrund von Beobachtungen der Veränderungen von Bakterienkulturen unter bestimmten Bedingungen die Existenz von Bakterienparasiten. Er bezeichnete diese als Pettenkoferien und sah die von d’Hérelle beschriebene „unsichtbare, dem Ruhrbazillus entgegenwirkende Mikrobe“ als Sonderfall dieser Parasiten an. Wie sich später herausstellte, beruhten seine Beobachtungen jedoch nicht auf der Existenz eines Bakterienparasiten, sondern lediglich auf Formveränderungen der von ihm untersuchten Bakterien.

D’Hérelle stellte sich den Bakteriophagen als ein „ultravisibles, korpuskulares Lebewesen“ vor, das in einer Grundform existiere und sich an verschiedene Wirte, also Bakterien anpasse. Tatsächlich sind Bakteriophagen nach heutigem Wissensstand hochspezialisierte Viren, die an einen spezifischen Wirt gebunden sind. Auch wenn in diesem Kontext von Wirten die Rede ist, sind nach heutiger Definition Bakteriophagen, da sie als Viren keine Lebewesen sind, keine Parasiten[4]. Die ersten Phagen, die untersucht wurden, waren sieben Phagen des Bakteriums Escherichia coli. Sie wurden in der Reihenfolge ihrer Entdeckung als Typ 1 (T1), Typ 2 (T2) und so weiter benannt.

Aufbau

Aufbau und Infektionszyklus von Phage T4.

Bakteriophagenstruktur

Die Gestalt der Bakteriophagen wurde vorwiegend an den Phagen der T-Reihe (T-Serie) von Escherichia coli aufgeklärt. Der Coliphage T2 besteht aus einem polyedrischen Kopf von 100 nm Länge, an dem ein etwa gleich langer Schwanz sitzt. Bakteriophagen werden taxonomisch nach ihrer Morphologie, ihrem Genom und ihrem Wirt eingeteilt. So unterscheidet man DNA-Phagen mit einzelsträngiger DNA, sogenannte ss-DNA-Phagen (von engl. single-stranded), und solche mit doppelsträngiger DNA, sogenannte ds-DNA-Phagen (von engl. double-stranded). Die hier exemplarisch behandelten Escherichia coli-Phagen der T-Reihe werden zu letzterer Gruppe gezählt.

Die sogenannten T-Phagen (z. B. T4-Phage) zeichnen sich gegenüber anderen Bakteriophagen durch einen relativ komplexen Aufbau aus. Grundlegend setzen sie sich aus einer Grundplatte (9), einem Einspritzapparat (Injektionsapparat, 2) und einem Kopf (1), bestehend aus dem so genannten Kapsid (4) und der darin enthaltenen Nucleinsäure (3) zusammen. Die Module Kopf und Einspritzapparat sind durch einen Hals (Collar, 5) verbunden. Die Grundplatte (die wie Kapsid und Injektionsapparat aus Proteinen aufgebaut ist) ist mit Schwanzfibern (7) und Spikes (8) besetzt, die der Adsorption auf der Wirtszellwand dienen. Der Injektionsapparat besteht aus einem dünnen Rohr, auch Schwanzrohr (6) genannt, durch das die Phagen-DNA (3) in die Wirtszelle injiziert wird. Das Rohr wird von einer kontraktilen Schwanzscheide umhüllt, die sich während der Injektion zusammenzieht. Das Kapsid ist mit ikosaedrischer Symmetrie aus 152 Kapsomeren aufgebaut und enthält die DNA des Phagen. Aufgrund dieses Aufbaus zählen die Phagen der Gattung T4-ähnliche Viren (Familie Myoviridae) zu den strukturell komplexesten Viren.

Phagen mit einzelsträngiger DNA sind dagegen meist klein, sphärisch und schwanzlos oder filamentös. Die ebenfalls auftretenden RNA-Phagen bestehen meist (soweit bis zu diesem Zeitpunkt beschrieben) aus einer Proteinhülle, die ein einsträngiges RNA-Molekül umschließt. Der Durchmesser dieser Phagen beträgt etwa 25 nm, sie gehören also zu den kleinsten Phagen.

Vermehrung von Bakteriophagen

Der lytische (A) und lysogene (B) Zyklus zur Phagenvermehrung.

Viren benötigen mangels eines eigenen Stoffwechsels zur Reproduktion einen Wirt, im Falle der Bakteriophagen eine geeignete, lebende Bakterienzelle. Die Reproduktion lässt sich in fünf Phasen gliedern:

  • Adsorption an spezifische Zellwandrezeptoren: Bei der Adsorption koppeln die Enden der Schwanzfasern an passende Moleküle (Rezeptoren) der Oberfläche des Bakteriums.
  • Injektion der Phagen-Nukleinsäure in die Wirtszelle: Die phageneigene NukleinsäureDNA bzw. RNA, gelangt in das Bakterium. Die nun funktionslosen Proteine der leeren Phagenhülle bleiben außen auf der Oberfläche des Bakteriums zurück.
  • Latenzphase: Während dieser Phase lassen sich im Bakterium keine Phagen nachweisen. Nun beginnt die Transkription des Virusgenoms, die Translation der viralen mRNA und die Replikation der Virusnukleinsäure. Dieser Vorgang dauert maximal einige Stunden.
  • Produktionsphase: Nachdem die Phagengene in einer festgelegten Reihenfolge aktiv geworden sind, werden alle Virusbestandteile, Hüllproteine und Schwanzfasern, gebildet.
  • Reifephase: In dieser Phase der Morphogenese erfolgt der Zusammenbau (assembly) zu reifen Phagenpartikeln. Zunächst wird ein Kopfteil, das Kapsid, gebildet. Die Proteine im Innern dienen als Platzhalter und werden später durch die Phagen-Nukleinsäure, die in das Kapsid eindringt, ersetzt. Dabei nehmen die Nukleinsäure-Fäden, gleich einem Wollknäuel, eine platzsparende Form an.
  • Freisetzung: Die fertigen Viruspartikel werden durch enzymatische Auflösung der Wirtszelle befreit. Das Lysozym, welches von dem umprogrammierten Bakterium gebildet wurde, löst die bakterielle Mureinzellwand auf. Die Zelle platzt, und etwa 200 infektiöse Phagen werden frei.
Die Vermehrung verläuft bei einigen Phagenarten nicht immer nach dem oben beschriebenen, lytischen Schema ab. Bei temperenten Phagen unterscheidet man zwischen lysogenen und lytischen Vermehrungszyklen beziehungsweise Infektionszyklen. Bei einem lysogenen Zyklus wird die DNA des Phagen in das Chromosom des Bakteriums eingebaut, wodurch ein Prophage entsteht. Bei jeder folgenden Zellteilung werden die Gene des Phagen und die des Bakteriums gemeinsam verdoppelt und weitergegeben. Dieser Zyklus kann später in den lytischen Zyklus münden.

Riesenphagen

Doppelstrang-DNA-Phagen mit einer Genomgröße von mehr als 540 kbp werden als Megaphagen bezeichnet, kleinere mit mehr als 200 kbp als Jumbo-Phagen.[5] Die Autoren hatten 2018/2019 Fäkalien von Menschen in Bangladesh und Tansania, sowie von Pavianen in Afrika und Schweinen in Dänemark untersucht. Die Proben enthielten Bakterien der Gattung Prevotella (Prevotellaceae), die von einer Reihe von dsDNA-Megaphagen infiziert waren, die von den Autoren „Lak-Phagen“ (nach dem Ort Laksam Upazila, Bangladesh) genannt wurden. Die gefundenen Phagen wurden (vorläufig) als Lak-A1, Lak-A2, Lak-B1 bis Lak-B9 und Lak-C1 bezeichnet. Es könnte eine lose phylogenetische Beziehung zu „Sphingomonas Phage PAU[6][7] (dieser Riesenphage infiziert Bakterien der Spezies Sphingomonas paucimobilisSphingomonadaceae) und damit zur Phagenfamilie Myoviridae bestehen. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass „Lak-Phagen“ „weit verbreitet, aber bisher übersehene Mitglieder des Darm-Mikrobioms“ sind.[5][8][9][10]

Im Februar 2020 veröffentlichten Basem Al-Shayeb und Kollegen eine Analyse, die diese Untersuchungen fortführt.[11] Darin ziehen sie die Grenze für Megaphagen bei 500 kb (was offenbar Basenpaare im doppelsträngigen Fall und Basen oder Nukleotide in einzelsträngigen Fall bedeutet). Die Autoren ziehen es aber vor, alle Phagen mit mehr als 200 kb (also Jumbo-Phagen und Megaphagen) als „englisch huge phages“ (hier mit Riesenphagen übersetzt) zusammengefasst zu betrachten. Die Autoren identifizierten unter dieser Gruppe eine Reihe von zehn Kladen, für die sie folgende Namen vorschlugen: „Kabirphage“, „Mahaphage“ (darunter die Gruppe der „Lak-Phagen“), „Biggiephage“, „Dakhmphage“, „Kyodaiphage“, „Kaempephage“, „Jabbarphage“, „Enormephage“, „Judaphage“ und „Whopperphage“ (alle Namen beziehen sich auf „riesig“ oder engl. „huge“ in den verschiedenen Sprachen der Autoren). Durch ihre Metagenomanalysen verschiedener Proben konnten sie 351 dsDNA-Phagensequenzen identifizieren, davon nur 3 unter 200 kb. Das größte Genom hatte eine Länge von 735 kb (ein Mahaphage, was offenbar neuer Rekord ist; der vorherige lag bei 596 kb); gewöhnliche Nicht-Riesenphagen haben im Mittel lediglich 52 kb. Einige Riesenphagen scheinen einen vom Standard abweichenden Genetischen Code zu benutzen, in dem das Stop-Codon UAG für eine Aminosäure kodiert. Die Wirte sind (meist) Bakterien der Firmicutes oder der Proteobacteria, aber auch – wie bei den Mitgliedern der Mahaphage-Gruppe mit den „Lak-Phagen“ – der Bacteroidetes. Das Genom kodiert neben den phageüblichen Proteinen für tRNAs. Die Phagen interagieren darüber hinaus im CRISPR/Cas-System (siehe CRISPRCRISPR/Cas-MethodeGenom-Editierung): Alle bedeutenden Typen des Systems waren vertreten, die meisten Phagen schienen aber Cas-Proteine des Wirts zu benutzen um sich selbst zu schützen. Darüber hinaus schienen die Phagen das CRISPR-Immunsystem der Wirte darin zu unterstützen, konkurrierende Phagen abzuwehren. Manche Pseudomonas-infizierende Phagen kodieren auch für Anti-CRISPRs (Acrs) und Proteine, die eine Zellkern-ähnliches Kompartiment bilden, in dem der Phage sein Genom unabhängiger vom Wirt replizieren kann (siehe Viroplasma). Die Autoren sehen ihre Arbeit als einen weiteren Beleg für die weltweite Verbreitung der Riesenphagen. Sie fanden Belege, dass die Phagen zwischen verschiedenen Wirten und Ökosystemen wanderten, was eine Bedeutung für die Verbreitung von Toxin– und Antibiotikaresistenz-Genen hat. Ihre CRISPR-Werkzeuge könnten sich in Zukunft nutzenlassen, um die „Genschere“ CRISPR/Cas zu verbessern und ihre Funktionalität zu erweitern.[11][12][13][14][15][16][17]

Schwanzlose Phagen

Lange Zeit hat die Forschung nur Mitglieder der Ordnung Caudovirales betrachtet, deren Vertreter Phagen (Bakterien- und Archaeenviren) mit Kopf-Schwanz-Struktur sind. Erst in letzter Zeit sind „schwanzlose“ Phagen Gegenstand von Forschungsarbeiten geworden.Einige Vertreter sind:

Haloviren

Unter der informellen (nicht-taxonomischen) Bezeichnung Haloviren (englisch haloviruses) werden Phagen klassifiziert, die halophile Bakterien und Archaeen parasitieren. Dies sind neben der Gattung Myohalovirus[24] (CaudoviralesMyoviridae) mit der vom ICTV bestätigten Spezies Halobacterium virus phiH[25] und der vorgeschlagenen Spezies „Halorubrum phage HF2[26][27] weitere nicht-klassifizierten ebenfalls noch unbestätigten Spezies „HF1“,[28] „HCTV-1“, „2“ und „5“, „HGTV-1“,[28] „HHTV-1“ und „2“, „HRTV-4“, „5“, „7“ und „8“, „HSTV-1“ und „2“, „HVTV-1“ (Caudovirales[28]), „VNH-1“, sowie „Haloferax tailed virus 1“.[29]

Magroviren

Marine Archaeen der Euryarchaeota werden klassifiziert als Marine Gruppe (englisch Marine Group) II (MG-II, bestehend aus MG-IIa bis MG-IId), III (MG-III) und IV (MG-IV)[30] – die Marine Gruppe I (MG-I) bezeichnet dagegen marine Archaeen der Thaumarchaeota.[31][30][27][32][33]

Mit der ebenfalls nicht-taxonomischen Bezeichnung Magroviren (englisch magrovirusesMArine GROup II viruses) werden Phagen klassifiziert, die Euryarchaeota der ersten genannten Gruppe MG-II parasitieren. Es handelt sich um dsDNA-Viren mit einer Genomgröße von 65–100 kbp mit Kopf-Schwanz-Struktur.[30][27]

Anwendungsgebiete

Phagen haben in MedizinBiologieAgrarwissenschaften, vor allem im Bereich der Gentechnologie, ein breites Anwendungsspektrum gefunden. So verwendet man Phagen in der Medizin aufgrund ihrer Wirtsspezifität zur Bestimmung von bakteriellen Erregern. Dieses Verfahren nennt man Lysotypie. Aufgrund der immer häufiger auftretenden multiplen Antibiotikaresistenzen wird zurzeit intensiv an der Anwendung von Bakteriophagen als Antibiotika-Ersatz in der Humanmedizin (siehe: Phagentherapie) geforscht. Probleme ergeben sich hierbei durch die geringe Stabilität von Phagen im Körper, da sie in recht kurzer Zeit durch Fresszellen als Fremdkörper beseitigt werden. Diese Anwendung von Phagen zur Therapie bakterieller Infektionen entdeckte Felix d’Hérelle (s. o.) lange vor Entdeckung des Penicillins und der Antibiotika. Später wurde die Phagentherapie jedoch mit der Einführung der Chemotherapie per Antibiotika als unpraktisch erachtet und geriet in Vergessenheit. D’Hérelle gründete 1934 zusammen mit dem georgischen Mikrobiologen Georgi Eliava in Georgien das Eliava-Institut für Phagenforschung, welches heute noch besteht.[34] Heute wird dort sowie am Ludwik-Hirszfeld-Institut für Immunologie und Experimentelle Therapie in Breslau (Teil der Polnischen Akademie der Wissenschaften) die Phagentherapie bei ansonsten therapieresistenten bakteriellen Infektionen durchgeführt.

Die Anwendungen in der Lebensmittelproduktion sind vielfältig; so kommt beispielsweise ein Sprühnebel aus Phagen beim Verpacken von Würstchen oder dem Aufschneiden von Käseaufschnitt zum Einsatz.[35]

In der Gentechnik werden temperente Phagen als Vektoren (z. B. der Phage λ) benutzt. Hierzu werden Phagen so präpariert, dass ihrem Genom die Gene, welche die Virulenz hervorrufen, entnommen und durch Gene ersetzt werden, die für gentechnologische Belange interessant sind, wie beispielsweise Gene, die zur Insulinproduktion benötigt werden. Diese veränderten Phagen werden nun mit geeigneten Bakterien, zum Beispiel E. coli, in Kontakt gebracht. Nach einer Überprüfung, ob das gewünschte Gen in die Erbsubstanz des Bakteriengenoms integriert wurde (man bedient sich hierzu genexprimierter Antibiotikaresistenzen, die an die zu klonierenden Wunschgene angeschlossen werden) können die modifizierten Bakterienzellen weiterkultiviert werden und das in diesem Falle produzierte Insulin isoliert werden. Ähnlich werden Phagen in der Agrartechnologie zur Transduktion bestimmter Gene in Nutzpflanzen eingesetzt. Eine wichtige Anwendung in der Biochemie ist das Phagen-Display zur Identifikation von Bindungspartnern, z. B. bei der Isolierung neuer Wirkstoffe.

Einfacher als die Nutzung von Phagen ist jedoch die Transformation freier DNA, die heutzutage überwiegend zum Transfer in die Bakterienzellen verwendet wird.

Phagen und -Bestandteile werden für die Entfernung von mikrobiellen Verunreinigungen in Lebensmitteln (z. B. per affinitätsmagnetischer Separation) sowie mit Endotoxinen kontaminierte Laborproben verwendet.[36][37] Des Weiteren ergeben sich humandiagnostische Anwendungen, vor allem im klinischen Bereich zur Dekolonisierung von pathogenen Krankenhauskeimen wie MRSA.[38][39] Durch Proteindesign lassen sich die Phagenproteine zum jeweiligen Anwendungszweck optimieren. Zu therapeutischen Zwecken ist die Anwendung in Deutschland bisher nicht zulässig.

Möglicher wirtschaftlicher Schaden

Bakteriophagen können überall dort Schaden anrichten, wo bakterielle Prozesse dem Menschen dienen und erwünscht sind. Infektion von Milchsäurebakterien (LAB) durch Phagen aus Rohmilch ist die häufigste Ursache für verringerte oder fehlende Enzymaktivität in Starterkulturen für die Käse- oder Dickmilchproduktion.[40]

Systematik

Bakteriophagen finden sich in der Systematik der Virus-Taxonomie in folgenden taxonomischen Gruppen:

  • dsDNA-Bakteriophagen:
  • ssDNA-Bakteriophagen:
  • dsRNA-Bakteriophagen:
  • ssRNA-Bakteriophagen:

Einzelnachweise

  1.  NCBI: Bacillus phage Gamma (species)
  2.  SIB: Viruses infecting bacteria, auf: ViralZone
  3.  F. d’Hérelle (1917): Sur un microbe invisible antagoniste des bacilles dysentériques. In: C. R. Ac. Sciences. 165: 373–375.
  4.  Loos-Frank, Brigitte, Lane, Richard P.: Biologie von Parasiten. 3., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Springer Verlag, Berlin, ISBN 978-3-662-54862-2, S. 4 (google.de [abgerufen am 17. März 2019]).
  5. ↑ Hochspringen nach:a b Audra E. Devoto, Joanne M. Santini et al.Megaphages infect Prevotella and variants are widespread in gut microbiomes, in: Nature Microbiology, Band 4, S. 693–700, 28. Januar 2019, doi:10.1038/s41564-018-0338-9, insbes. Table 1 und Supplementary Figure 11
  6.  NCBI: Sphingomonas phage PAU (species)
  7.  Richard Allen White III, Curtis A. Suttle: The Draft Genome Sequence of Sphingomonas paucimobilis Strain HER1398 (Proteobacteria), Host to the Giant PAU Phage, Indicates That It Is a Member of the Genus Sphingobacterium (Bacteroidetes), in: Genome Announc. 1(4), Juli-August 2013, e00598-13, doi:10.1128/genomeA.00598-13PMID 23929486PMC 3738902 (freier Volltext)
  8.  University of California – Berkeley: [1], ScienceDaily, 28 Januar 2019
  9.  UCL: New, giant bacterial virus found in human gut, University College London, 29. Januar 2019
  10.  Colm Gorey: Gargantuan viruses discovered in humans raise questions about life itself, auf: siliconrepublic.com vom 29. Januar 2019
  11. ↑ Hochspringen nach:a b Basem Al-Shayeb, Rohan Sachdeva, L. Chen, Jillian F. Banfield et&nbs;al.Clades of huge phages from across Earth’s ecosystems, in: Nature vom 12. Februar 2020, doi:10.1038/s41586-020-2007-4bioRxiv10.1101/572362v1 (Preprint-Volltext)
  12.  Michael Le Page: Giant viruses have weaponised CRISPR against their bacterial hosts, auf: NewScientist vom 30. März 2019
  13.  Giant Bacteriophages Bridge Gap between Living Microbes and Viral Machines, auf: SCI-NEWS vom 13. Februar 2020
  14.  Tessa Koumoundouros: Scientists Discover Giant Viruses With Features Only Seen Before in Living Cells, auf: ScienceAlert vom 14. Februar 2020
  15.  Daniela Albat: Phage mit rekordgroßem Genom entdeckt, auf: scinexx vom 18. Februar 2020
  16.  Jan Osterkamp: Anti-CRISPR soll CRISPR besser machen, auf: Spektrum.de vom 16. Januar 2020
  17.  Annika Röcker: Gegen manche Viren ist die Genschere machtlos, auf: Spektrum.de vom 10. Dezember 2019
  18.  Elina Laanto, Sari Mäntynen, Luigi De Colibus, Jenni Marjakangas, Ashley Gillum, David I. Stuart, Janne J. Ravantti, Juha Huiskonen, Lotta-Riina Sundberg: Virus found in a boreal lake links ssDNA and dsDNA viruses, in: Proceedings of the National Academy of Sciences 114(31), Juli 2017, doi:10.1073/pnas.1703834114
  19.  Kathryn M. Kauffman, Fatima A. Hussain, Joy Yang, Philip Arevalo, Julia M. Brown, William K. Chang, David VanInsberghe, Joseph Elsherbini, Radhey S. Sharma, Michael B. Cutler, Libusha Kelly, Martin F. Polz: A major lineage of non-tailed dsDNA viruses as unrecognized killers of marine bacteria, in: Nature Band 554, S. 118–122, 24. Januar 2018, doi:10.1038/nature25474
  20.  Scientists Find New Type of Virus in World’s Oceans: Autolykiviridae, auf: sci-news vom 25. Januar 2018
  21.  Forscher entdecken ein mysteriöses Virus, das die Ozeane dominiert, auf: business insider vom 29. Januar 2018
  22.  Never-Before-Seen Viruses With Weird DNA Were Just Discovered in The Ocean, auf: sciencealert vom 25. Januar 2018
  23.  NCBI: Autolykiviridae (family) – unclassified dsDNA viruses
  24.  NCBI: Myohalovirus (genus)
  25.  ICTV: ICTV Taxonomy history: Halobacterium virus phiH
  26.  NCBI: Halorubrum phage HF2 (species)
  27. ↑ Hochspringen nach:a b c Yosuke Nishimura, Hiroyasu Watai, Takashi Honda, Tomoko Mihara, Kimiho Omae, Simon Roux, Romain Blanc-Mathieu, Keigo Yamamoto, Pascal Hingamp, Yoshihiko Sako, Matthew B. Sullivan, Susumu Goto, Hiroyuki Ogata, Takashi Yoshidacorresponding: Environmental Viral Genomes Shed New Light on Virus-Host Interactions in the Ocean, in: mSphere 2(2), März–April 2017, e00359-16, doi:10.1128/mSphere.00359-16PMC 5332604 (freier Volltext), PMID 28261669, insbes. Fig. 4
  28. ↑ Hochspringen nach:a b c Darius Kazlauskas, Mart Krupovic, Česlovas Venclovas: The logic of DNA replication in double-stranded DNA viruses: insights from global analysis of viral genomes, in: Nucleic Acids Res. 44(10), 2. Juni 2016, S. 4551–4564, doi:10.1093/nar/gkw322PMC 4889955 (freier Volltext), PMID 27112572
  29.  NCBI: HalovirusHaloviruses
  30. ↑ Hochspringen nach:a b c Alon Philosof, Natalya Yutin, José Flores-Uribe, Itai Sharon, Eugene V. Koonin, Oded Béjà: Novel Abundant Oceanic Viruses of Uncultured Marine Group II Euryarchaeota, in: Curr Biol. 27(9) vom 8. Mai 2017, S. 1362–1368, doi:10.1016/j.cub.2017.03.052PMC 5434244 (freier Volltext), PMID 28457865
  31.  Luis H. Orellana, T. Ben Francis, Karen Krüger, Hanno Teeling, Marie-Caroline Müller, Bernhard M. Fuchs, Konstantinos T. Konstantinidis, Rudolf I. Amann: Niche differentiation among annually recurrent coastal Marine Group II Euryarchaeota, in: Nature ISME Journal 13, S. 3014–3036, 26. August 2019, doi:10.1038/s41396-019-0491-z
  32.  Xiaomin Xia, Wang Guo, Hongbin Liu: Basin Scale Variation on the Composition and Diversity of Archaea in the Pacific Ocean, in: Front. Microbiol., 23. Oktober 2017, doi:10.3389/fmicb.2017.02057
  33.  Ana-Belen Martin-Cuadrado et al.A new class of marine Euryarchaeota group II from the mediterranean deep chlorophyll maximum, in: Nature ISME Journal Band 9 (2015), S. 1619–1634, 23. Dezember 2014, doi:10.1038/ismej.2014.249
  34.  Daria Vaisman: Eat Me. In: Slate, Mai 2006.
  35.  Bettina Hofer: Konservieren mit Viren. Heise Technology Review, 28. Februar 2013, abgerufen am 7. August 2014.
  36.  Kretzer JW, Lehmann R, Banz M, Kim KP, Korn C. Loessner MJ (2007) Use of high affinity cell wall-binding domains of bacteriophage endolysins for immobilization and separation of bacterial cells. Appl Environ Microbiol 73:1992–2000.
  37.  Rozand, C., Feng, P. C. H. (2009). Specificity analysis of a novel phage-derived ligand in an Enzyme-linked fluorescent assay for detection of Escherichia coli O157:H7. J. food protection 72, 1078–1081.
  38.  Bacteriophages – New Applications in Food Microbiology (Memento vom 2. März 2013 im Internet Archive) bioFood n°3 Dezember 2006, S. 2.
  39.  Anwendungen der Phageligand-Technologie (Endotoxinentfernung, Endotoxinnachweis, Lebensmittelqualitätstestung).
  40.  Guglielmotti DM, Mercanti DJ, Reinheimer JA, Quiberoni ADL: Efficiency of physical and chemical treatments on the inactivation of dairy bacteriophages. (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Frontiers in Microbiology 2 (2012) doi:10.3389/fmicb.2011.00282
  41.  SIB: 20 (Fuselloviridae), auf: ViralZone
  42.  SIB: 190 (Salterprovirus), auf: ViralZone
  43.  SIB: 113 (Inoviridae), auf: ViralZone

Literatur

Weblinks

Wiktionary: Bakteriophage – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Commons: Bakteriophagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Stand vom 7. Mai 2020 @ 12:36 … “ → Wp

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Synonyme:
Phagen