Der Begriff: Mikrobiom

Die Haut des Menschen besiedelnde Mikroorganismen (Hautmikrobiom): Verteilung auf die Körperregionen

„Die Begriffe Mikrobiom und Mikrobiota (griechisch μικρός mikrós ‚klein‘, griechisch βίος bios ‚Leben‘) bezeichnen im weitesten Sinn die Gesamtheit aller Mikroorganismen der Erde (Biom), welche die Erdkruste, die Gewässer und die Erdatmosphäre besiedelnden.

Im engeren Sinn ist die Gesamtheit aller den Menschen oder andere Lebewesen besiedelnden Mikroorganismen gemeint.[1]

Die meisten Zellen, die im menschlichen Organismus vorkommen, sind keine Zellen eines Vielzellers, also normalerweise menschliche Zellen, sondern mikrobielle Zellen (Zellen von Mikroorganismen). Sie stehen in einem geschätzten Verhältnis von mikrobiellen Zellen zu Vielzeller-Zellen von etwa 10 : 1. In absoluten Zahlen wird ein erwachsener Mensch von etwa 1014 (100 BillionenBakterien besiedelt, diese überwiegend im Gastrointestinaltrakt.[2] Sie siedeln häufig in Gemeinschaften von verschiedenen Einzellern in Form von Biofilmen.

Damit werden primär die Darmbakterien (Darmflora) in Verbindung gebracht, aber auch alle Mikroorganismen, die auf der äußeren Haut (Hautflora) und auf den Schleimhäuten leben, etwa der Haut der Mundhöhle, Nasenhöhle, Genitalorgane (bsp. Scheidenflora) und dergleichen. Im weiteren Sinne können auch die mikrobiellen Gemeinschaften anderer Habitate (Boden, Blattoberflächen, Wohnung u.v.m.) begrifflich eingeschlossen sein.

Die Besiedlungen mit Mikroorganismen erfüllen sehr oft den Charakter von symbiotischen Beziehungen, die sich zwischen dem Wirt und seiner Mikroflora entwickeln oder die Mikroorganismen sind nur Kommensalen. Evolutionär haben sie sich als Ergebnis von Langzeitanpassungen herausgebildet. Voraussetzungen sind dabei komplexe und vielschichtige Beziehungen auf der Ebene von Stoffwechselprozessen, die sich in regulatorischen, intrazellulären und molekulargenetischen Ebenen abbilden.

Die Bezeichnung „Mikrobiom“ wurde von Joshua Lederberg in Anlehnung an das Genom geprägt, da er nach Beendigung des Humangenomprojekts behauptete, dass auch die den Menschen besiedelnden Mikroorganismen berücksichtigt werden müssen, da sie Teil des menschlichen Stoffwechselsystems sind und maßgeblichen Einfluss auf den Menschen haben. Dem Darmmikrobiom etwa werden neben der Verwertung der aufgenommenen Nahrung viele weitere wichtige Funktionen zugeschrieben, darunter die Synthese lebenswichtiger Vitamine wie B1B2B6B12 und K, die Produktion kurzkettiger Fettsäuren wie Essigsäure (Acetat) und Buttersäure (Butyrat), die als Energiequelle für die Darmschleimhautzellen dienen und das Darmmilieu mitbestimmen, die Förderung der Darmperistaltik über kurzkettige Fettsäuren, die Bekämpfung von Entzündungen, die Entgiftung von Fremdstoffen, die Unterstützung der Verdauung durch den Abbau schwer verdaulicher Nahrungsbestandteile (Ballaststoffe), die Stimulation des Immunsystems, die Verdrängung von Krankheitserregern und mehr. Veränderungen des Darmmikrobioms stehen unter anderem mit Erkrankungen wie Darmentzündungen, Darmtumoren und DarmkrebsAdipositasmetabolischem SyndromArthritis und auch bestimmte Formen des Autismus und Morbus Alzheimer in Zusammenhang.[3]  … “ → WP

Synonyme:
Mikrobiota,
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