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Kalorienreduktion in der Ernährung, zwei neue Studien

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ungefähre Lesezeit: 4 Minuten
Update: 30. Nov 2018 @ 9:48 pm
CC BY-SA 3.0 
Kurz-URL: https://w3punkt.de/012

Vorwort

An Tiermodellen zeitigte eine Kalorienreduktion oder eine an Kohlenhydraten stark reduzierte Diät, positive Ergebnisse in den Aspekten Gesundheit und Lebenserwartung. Viele Menschen sahen sich veranlasst ihre eigene Nahrungsaufnahme dahingehend zu modifizieren. Online-Publikationen dazu finden sich zuhauf.

Eine am 16. August 2018 im TheLancet veröffentlichte Studie mit dem Titel „Diätetische Kohlenhydrataufnahme und Mortalität: eine prospektive Kohortenstudie und Meta-Analyse“ kam zur solcher Interpretation ihrer Befunde:

Sowohl eine hohe als auch ein niedrige Aufnahme von Kohlenhydraten mit der Ernährung zeigten sich mit geringerer Lebenserwartung verbunden. Das minimale Risiko ergab sich bei einer Reduzierung im Bereich von 50-55% Kohlenhydraten.
Niedrige Kohlenhydrat-Diätmuster, die tierische Protein- und Fettquellen wie Lamm, Rindfleisch, Schweinefleisch und Huhn begünstigen, waren mit einer höheren Sterblichkeit verbunden.
Diejenigen, die Protein- und Fettaufnahme aus pflanzlichen Quellen wie Gemüse, Nüssen, Erdnussbutter und Vollkornbrot in der Ernährung bevorzugten, lebten länger.
Dies deutet darauf hin, dass die Nahrungsquelle den Zusammenhang zwischen Kohlenhydraten und Sterblichkeit deutlich beeinflusst.

Der Open Access Artikel aus der Publikation Cell Metabolism vom 30. August 2018 mit dem Titel: „Funktionelle Darm-Mikrobiota-Remodellierung trägt zu den kalorienreduzierten metabolischen Verbesserungen bei“, von S. Fabbiano et al. ergänzt, wie ich finde, unser Thema recht gut.

Hier übergebe ich Sie der sehr lesbar gestalteten Darstellung aus der Pressemitteilung des idW zur letztgenannten Studie. Ich habe mit erlaubt, sie durch einige Erläuterungen und eine Grafik anzureichern.:

Wenig essen ist gesund dank Darmbakterien

Eine kalorienarme Ernährung verlängert das Leben von Mäusen und sie werden auch gesünder und schlanker. Ein vom SNF unterstütztes Forschungsteam hat nun eine Erklärung für diese Tatsache gefunden: Ausschlaggebend ist die Darmflora und ihre Auswirkung auf das Immunsystem. Die Forschenden fanden auch Wirkstoffe, die den Effekt einer kalorienarmen Ernährung simulieren und neue Möglichkeiten zur Behandlung von Übergewicht eröffnen.

Dass eine Reduktion der Kalorienaufnahme um bis zu 40 Prozent positive Auswirkungen auf die Tiergesundheit hat, ist seit Langem bekannt: Die Tiere leben länger, ihr Blutzuckerspiegel fällt schneller und sie verbrennen mehr Körperfett. Laut einem kürzlich im Forschungsmagazin „Cell Metabolism“ veröffentlichen Artikel sind es die Darmbakterien, die für viele dieser körperlichen Veränderungen verantwortlich sind.

Mikroorganismen aus dem Blinddarm

Das internationale Team unter der Leitung von Mirko Trajkovski, SNF-Professor an der Universität Genf, setzte Mäuse während 30 Tagen auf eine kalorienarme Diät und stellte fest, dass diese an beigem Fett zulegten, einer Art von Fettgewebe, das Körperfett verbrennt und zur Gewichtsabnahme beiträgt.

Mäuse, die ohne Darmflora lebten, weil sie unter sterilen Bedingungen aufwuchsen und normal fraßen, entwickelten ebenfalls mehr beiges Fett und wurden schlanker, nachdem sie Mikroorganismen aus dem Blinddarm von Mäusen mit kalorienarmer Diät erhielten. Das modifizierte Mikrobiom brachte diesen Mäusen somit einen gesundheitlichen Nutzen.

Bei einer Analyse der mikrobiellen Lebensgemeinschaften stellten Trajkovski und sein Team fest, dass die Darmbakterien von Mäusen mit kalorienreduzierter Diät weniger toxische Lipopolysaccharide (LPS) produzierten. Wenn die LPS-Konzentration im Blut wieder auf normale Werte anstieg, ging ein Großteil der gesundheitlich positiven Effekte verloren.

Neue Wirkstoffe könnten bei Übergewicht helfen

Die bakteriellen LPS-Moleküle lösen eine Immunreaktion aus, indem sie den spezifischen Signalrezeptor TLR4 (Toll-like Receptor 4) aktivieren. Bei Experimenten mit Mäusen, die gentechnisch veränderte Immunzellen ohne diesen Rezeptor erhielten, konnten die Forschenden die Auswirkungen der Kalorienbeschränkung simulieren. „Das Immunsystem bekämpft eindeutig nicht nur Infektionen, sondern spielt auch eine Schlüsselrolle bei der Stoffwechselregulierung“, erklärt Trajkovski. Die Mäuse haben nicht nur mehr beiges Fett und weniger Gewicht, sondern sie reagieren auch besser auf Insulin, ihre Leber verarbeitet Zucker und Fett auf eine gesündere Weise und die Mäuse ertragen kältere Temperaturen besser. „Diese Ergebnisse eröffnen ein ganz neues Forschungsgebiet“, meint Trajkovski.

In einem weiteren Schritt testeten die Forschenden zwei Moleküle: Eines reduziert die Produktion von toxischen LPS durch die Bakterien, das andere blockiert den TLR4-Rezeptor, der das LPS-Signal aufspürt. Beide Wirkstoffe bewirkten gesundheitliche Effekte wie sie auch bei einer kalorienarmen Ernährung zu beobachten sind. „Eines Tages könnte es möglich sein, fettleibige Personen mit einem Medikament zu behandeln, das eine Kalorienbeschränkung simuliert“, meint Trajkovski. „Wir untersuchen derzeit die spezifischen Veränderungen in bakteriellen Lebensgemeinschaften und testen auch andere Verbindungen, welche die LPS-Produktion und die Signalübertragung hemmen.“

Die idW Pressemitteilung endet hier, nachfolgend die in der Studie herausgestellen Höhepunkte der Arbeit.

Die in der Studie herausgestellten Höhepunkte

  • Mikrobiota-Transplantation von Tieren die kalorienreduziert ernährt wurden verbessert die Glykämische Kontrolle und Insulinempfindlichkeit bei den Empfängertieren.
  • Mikrobiota unter Kalorienreduktion fördert die Entwicklung von beigefarbenem Fett und reduziert die Gewichtszunahme. Kalorienreduktion unterdrückt wichtige mikrobielle Gene für die LPS-Biosynthese und diktiert den Immuntonus. LPS-TLR4-Hemmung in Knochenmarkszellen verbessert Stoffwechsel und Bräunung.

Schaubild zu den Wirkungen des Mikrobioms unter Kalorienreduktion

Schaubild zu Veränderungen des Mikrobioms, des Immunstatus' und des Metabolismus unter Kalorienreduktion.
Schaubild zu Veränderungen des Mikrobioms, des Immunstatus‘ und des Metabolismus unter Kalorienreduktion.

Quellen & Tiefen

LinksGrafik
Große Teile des Textes entstammen einer Pressemitteilung des idw Informationsdienstes vom 30. August 2018 mit dem Titel:
Wenig essen ist gesund dank Darmbakterien, deren Wiedergabe unter den hier genannten Bedingungen legitimiert ist.
Die idW Pressemitteilung bezieht sich auf einen Open Access Artikel der Publikation Cell Metabolism vom 30. August 2018 mit dem Titel:
Functional Gut Microbiota Remodeling Contributes to the Caloric Restriction-Induced Metabolic Improvements
(Funktionelle Darm-Mikrobiota-Remodellierung trägt zu den kalorienreduzierten metabolischen Verbesserungen bei.), von S. Fabbiano et al., der unter der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 steht.
Zitiert wurde auch aus der am 16. August 2018 im TheLancet veröffentlichten Open Access Studie:
Dietary carbohydrate intake and mortality: a prospective cohort study and meta-analysis
(Diätetische Kohlenhydrataufnahme und Mortalität: eine prospektive Kohortenstudie und Meta-Analyse), mit der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.
Das Titelbild ist von http://pixabay.com/en/users/PublicDomainPictures Die grafische Zusammenfassung im Text erfolgte aus Bildern von Servier Medical Art die unter CC BY 3.0 Generic lizenziert sind und von der Original-Studie entlehnt wurden.